Unsere Geschichte

Werdegang und Hafenplanung (Originaltext und -bilder der Festschrift zur Hafeneröffnung von 1991)

Anfang 1979 hatten sich einige Bootssportler zusammengetan und sich mit folgender Anzeige an die Öffentlichkeit gewandt:

"Noch ist es draußen bitter kalt, jedoch der Sommer, der kommt bald."
 
 
Ahoi, Bootsbesitzer und Freizeitkapitäne! Am Donnerstag, den 8. Februar 1979 findet um 19.00 Uhr im "Bräustüble" in Lohr eine zwanglose Zusammenkunft aller Bootsbesitzer und Wasserratten statt.
Weshalb?
Es soll vielleicht ein Boots- und Wassersportclub gegründet werden.
Warum?
Darüber wollen wir reden. Aber ein Club bietet viele Vorteile.
Z.B.
  • Verbilligte Versicherungen und Einkauf
  • Abhalten von Kursen und Prüfungen
  • Bessere Interessenvertretung und Aussprache mit anderen Gruppen (Angler, Taucher, Kanuten, Wasserpolizei, Naturschützer)
  • Dadurch Beseitigung von Missverständnissen.

Das Wichtigste sind wohl Liegeplätze oder ein Hafen. Dies kann ein Einzelner kaum erreichen. Nur ein Club könnte dieses große Werk in Angriff nehmen. Darum kommt alle und sagt Eure Meinung und was Ihr davon haltet. 
Ahoi !!!"

 

Zu dieser Versammlung erschienen 23 Personen. Sie gründeten den Sport-Boot-Club Lohr a. Main und wählten folgende Vorstandschaft:

1. Vorstand Nikolaus Brand,
2. Vorstand Werner Seitz,
Kassier Udo Kleinfelder,
Schriftführerin Petra Stegerwald
Beisitzer:
Edgar Schwab,
Siegfried Elstner, 
Hans Frodl,
Manfred Ullrich.

 

Am 30. August bestätigte das Finanzamt dem Sport-Boot-Club Lohr die Gemeinnützigkeit und am 29. Mai 1980 erfolgte die Eintragung in das Vereinsregister beim Amtsgericht Gemünden unter der Nummer VR 411.

Schon bei der ersten Zusammenkunft sahen die Mitglieder die Schaffung von geordneten Bootsliegeplätzen als dringendste Aufgabe an. Darauf drängte auch das Wasser-und Schifffahrtsamt. Der Club selbst sah es als einen großen Nachteil an, dass die größte Stadt zwischen Würzburg und Aschaffenburg keinen Hafen hatte, im Gegensatz zu vielen kleineren Städten, die ganz beachtliche Anlagen vorweisen konnten.

Um eine größere Interessenvertretung zu haben, schloss man sich schon bald der Interessengemeinschaft Fränkischer Motorsportclubs (IFMC) an und beantragte die Aufnahme in den ADAC Nordbayern, die am 19. Januar 1981 angekündigt und am 12. Dezember 1981 mit der Übergabe des Wimpels auch in aller Form vollzogen wurde.

Noch im Dezember des Gründungsjahres 1979 hatte der SBC in einem Brief an den Bürgermeister die Stadt Lohr um deren Stellungnahme zu einem Hafenbau gebeten. Am 14. März 1980 fand daraufhin ein Gespräch mit noch unbestimmten grundsätzlichen Zusagen statt. Am 4. Juni des gleichen Jahres wurden die ersten Pläne für einen Bootshafen in Sendelbach vorgestellt. Im Sommer wurde ein wasserrechtliches Verfahren beantragt. In Sendelbach hatte sich inzwischen jedoch Widerspruch gegen das Vorhaben erhoben, der auch in einer Aussprache mit dem Vereinsring Sendelbach am 8. September nicht ausgeräumt werden konnte, sondern sich noch verstärkt artikulierte.

Nachdem das wasserrechtliche Verfahren für den neuen Bootshafen nicht vorankam, erreichte der SBC im Januar 1983, dass der stellvertretende Landrat Niko Versch intervenierte. Ein Bootshafen in Lohr (ohne konkrete Aussage über den Standort) war inzwischen auch in den Regionalplan aufgenommen, als sich das Landratsamt im Oktober 1983 schriftlich meldete und eine Anhörung der Beteiligten vorschlug.

 

 

So sah es an der Mainlände vor dem Hafenbau aus.

 

 

 

Im November 1989 war es endlich soweit.
Die Firma Siegler-Bau konnte mit dem Bau des Bootshafens beginnen.

 

Die zähe Behandlung seines Anliegens durch die beteiligten Behörden veranlasste den Vorsitzenden des Clubs Nikolaus Brand schließlich sogar zu einer "Ein-Mann-Demonstration". Als bei der offiziellen übergabe des neuen Bootes der Wasserschutzpolizei Ende Mai 1983 die Ehrengäste nach einer Probefahrt wieder die Mainlände betraten, da stand Brand dort mit einem Protestschild: "Wir brauchen auch einen Hafen". Genutzt hat diese Aktion jedoch nur wenig.

Auf Grund der ablehnenden Stimmung in Sendelbach wandte sich die Vorstandschaft im Dezember dieses Jahres an die Stadt Lohr mit der Bitte, dem Club bei der Suche nach einem anderen Gelände zu helfen. Am 13. März 1984 fand daraufhin beim Bürgermeister eine Besprechung mit den zuständigen Sachbearbeitern der Stadtverwaltung statt. Das Ergebnis war, dass die Stadt Lohr dem Club das Gelände des alten Lohrer Hafens anbot. Der SBC stellte am folgenden Tag an die Stadt Lohr einen formellen Antrag und am 12. April eine Bauanfrage unter Hinweis auf diese Besprechung. Das neue Ziel war der Bau des Bootshafens an der Stelle des alten Hafens zwischen Kaibachmündung und Alter Mainbrücke.

Auf Einladung der Stadt Lohr im Einvernehmen mit dem Landratsamt fand am 19. Juli 1984 ein Erörterungsgespräch mit den zuständigen Behörden und Vertretern der Fischer und Angler statt. Inzwischen lag auch der Beschluss des zuständigen Stadtrats-Ausschusses über die Bereitstellung des Geländes vor.

Während dieser Zeit stellte der SBC am 12. Oktober 1984 einen Antrag auf Aufnahme in den Bayerischen Landessportverband (BLSV).

Am 27. Dezember 1984 wurden neue Pläne des Architekten Lotz vom DMYV, eines Fachmanns auf diesem Gebiet, bei der Stadt eingereicht und am 1. Januar 1985 wandte sich die Vorstandschaft an die Stadt wegen des Abschlusses eines förmlichen Pachtvertrages für das Gelände.

Nun mussten sich die zuständigen Fachbehörden und die Träger öffentlicher Belange Landratsamt, Naturschutzbehörde, Wasser- und Schifffahrtsamt usw. mit den Plänen befassen. Darüber verging das ganze Jahr 1985. Am 3. Dezember teilte die Stadt Lohr dem Club mit, eine endgültige Entscheidung könne erst getroffen werden, wenn die inzwischen in Auftrag gegebene Mainlände-Planung vorliege.

Am 19. März 1986 kam man wieder einen kleinen Schritt weiter, als der Stadtrat im Rahmen des wasserrechtlichen Verfahrens nach heftiger Debatte mit 12 : 6 Stimmen sein Einverständnis mit dem Vorhaben erklärte.

Am 21. Mai fand dann ein Erörterungstermin auf Einladung des Landratsamtes in Lohr statt. Innerhalb von vier bis sechs Wochen sicherte das Landratsamt eine Entscheidung zu, aber erst am 11. Februar 1987 lag der positive Bescheid endlich vor.

Am 12. Dezember 1986 hatte der Club an die Stadt nochmals einen Zuschussantrag gestellt. Vieler Vorsprachen bedurfte es auch, um den Pachtvertrag, endlich unter Dach und Fach zu bringen. Erst am Mai 1988 traf der Stadtrat endgültig seine Entscheidung über den Standort für den Bootshafen und nach weiteren neun Monaten, am 20. Februar konnte der Vertrag abgeschlossen werden.

 

Mit den Erdaushubarbeiten zu Beginn des Jahres 1990 nahm der Hafen Form an.

 

Blick über das Hafengelände; im Hintergrund der Bayersturm und der Kirchturm von St. Michael.

 

In der Zwischenzeit musste man sich auch noch mit der Regierung von Unterfranken wegen der Einsprüche der Fischerzunft Lohr auseinandersetzen. Nachdem es in Verhandlungen nicht gelungen war, zu einer Einigung zu kommen, legte diese am 1. April 1988 Klage beim Verwaltungsgericht ein. Am 3. April 1989 stellte das Verwaltungsgericht das Verfahren ein, weil die Fischerzunft ihre Klage zurückgezogen hatte.

Nachdem am 22. Mai 1989 auch endlich die Zuschusszusagen der Stadt und des BLSV vorlagen, konnten am 28. September die Bauarbeiten öffentlich ausgeschrieben werden. Den Zuschlag erhielt am 15. November 1989 die Firma Siegler Bau und am 23. November konnten die Arbeiten tatsächlich beginnen. Die Rammarbeiten begannen am 2. Dezember 1989, die Aushubarbeiten am 10. Januar 1990.

Es sollte sich rasch herausstellen, dass mit der Erteilung der Baugenehmigung zwar die lange Durststrecke der Planungsphase zurückgelegt aber noch nicht die schwierigsten Hürden überwunden waren. Bei den Ausbaggerungsarbeiten kam bald die Mauer des alten zugeschütteten Hafens zum Vorschein. Die Stadt verlangte, dass diese Originalmauer erhalten und für den neuen Bootshafen wiederverwendet wurde. Finanziell beteiligte sie sich daran jedoch nicht.

ähnlich verhielt sie sich, als sich herausstellte, dass seinerzeit der alte Hafen nicht etwa mit sauberem Erdreich sondern mit Schutt und Abfall zugefüllt worden war.

Obwohl ein Gutachten die Unbedenklichkeit des Erdaushubs bestätigte, verursachten Transport und Deponie erhebliche Mehrkosten, die durch zusätzliche Eigenleistungen aufgefangen werden mussten. Der Sport-Boot-Club stellte einen Antrag, die Stadt als Grundeigentümerin möge sich an den Mehrkosten beteiligen, die durch die Entsorgung des verunreinigten Materials entstanden, aber sie lehnte ab.

Mehrfach hat der Sport-Boot-Club inzwischen auch die Auszahlung des versprochenen Zuschusses angemahnt und wurde immer wieder vertröstet.

Während Pläne zur Gestaltung der Lohrer Mainlände seit Jahren in den Amtsstuben verstauben und der Stadtrat noch über ein 80.000-DM-Gutachten streitet, hat der bislang hässlichste Teil der Mainlände inzwischen ein neues Gesicht bekommen. Allein die damit der Stadt ersparten Kosten könnten den Zuschuss rechtfertigen.

Am 25. Juli 1990 erfolgte die erste Bauabnahme des bis auf die Fingerstege und die Außenanlage zu über 90 Prozent fertiggestellten Hafenprojekts durch das Landratsamt und die beteiligten Behörden.

Am 17. September veranstaltete der SBC sein erstes Hafenfest, gedacht als "Richtfest" für den neuen Bootshafen. In der Jahreshauptversammlung am 23. Januar dieses Jahres konnte die Vergabe der Liegeplätze erfolgen. Gleichzeitig wurden die Liegegebühren festgesetzt.

Am 09. Mai 1991 war es endlich so weit, dass die gesamte Anlage mit einem großen Fest eingeweiht wird. Gleichzeitig findet die Sternfahrt Süd des Deutschen Motoryacht-Verbandes in Lohr statt.

An der Finanzierung des Bootshafens waren u.a. beteiligt:

  • der Freistaat Bayern über den BLSV,
  • der Landkreis Main-Spessart
  • der ADAC Gau Nordbayern
  • der Deutsche Motoryachtverband
  • die Stadt Lohr a. Main.

 

 Der Bootshafen, kurz vor seiner Vollendung.

DIE MAINLäNDE EINST UND HEUTE:

Das Bild oben zeigt das Lohrer Mainufer als dort noch Schiffe gebaut wurden. Im unteren Bild ist der neue Bootshafen zu sehen, kurz nach seiner Fertigstellung vor wenigen Wochen.